Samstag, 27. Juli 2013

Anreise mit dem Zug nach Verona

Früh um 8:39 ging mein Zug. Ich war recht zeitig dran und hatte noch Zeit für nen Kaffee beim Beck. Dann ging ich mal rüber zum Bahnhof und nervte die Tussi an der Info, auf welchem Gleis mein Zug fährt. Das stand natürlich auf meinem Ticket, nä, hatte ich nur wieder nicht gelesen, öff *nix Handbuchleser*.

Ich schmiss mich also aufs Gleis 5 und machte mich in den Zug. Wegen der Fahrradmitnahme hatte ich nur einen Regional-Express gekriegt, der auch noch über Augsburg ging, nach München. Da bummelte ich also über die Käffer...

Ja, die Sissy fiel mir schon vor Treuchtlingen ein: Sie hatte mich vor 3 Wochen angerufen um zu tratschen und ich hatte sie am Telefon ganz knapp abgewimmelt, dass ich mal in 3 Wochen zurückrufe, wenn ich Urlaub hab und Zeit hab, weil ich grad wieder mit irgendwem beim Essen war oder so wo und nicht mal genug Zeit für ein Telefonat hatte.

Aber jetzt!

Als der Zug nach Treuchtlingen einfuhr - Sissy ist dort geboren und aufgewachsen! - rief ich sie an und klingelte durch nach Berlin, wo sie jetzt wohnt. "Ich bin grad in Treuchtlingen!" erzählte ich "...und fahre nach Italien!" Wenn ich wieder zuhause bin, ruf ich sie mal "ordentlich" an, versprach ich.

In Augsburg musste ich umsteigen. Ich hatte nur ein paar Minuten für den Anschlusszug und hab mich daher nicht wirklich groß umsehen können, ob es da einen Fahrstuhl gibt. Da aber alle Passagiere schon eilig die Treppen runterstürmten und am anderen Gleis wieder hoch, stürmte ich einfach mit.

Runter ging das ja noch, aber am anderen Gleis wieder die Treppen hoch? ...mit dem Fahrrad und dem Gepäck hinten drauf, das mind. 20 kg wog?! Ein Mädchen half mir, das Rad hoch zu kriegen und ich kriegte auch meinen Zug.

In München hatte ich eineinhalb Stunden Aufenthalt. Mein Anschlusszug ging um 13:31 auf Gleis 13. Da radelte ich noch a weng auf'm Stacchus und in die City, um was zu futtern. Für einen Adana-Kebap zahlte ich gleich mal 5 €, statt wie zuhause nur 2,50 €.

Die Schlagzeile der heutigen Müchner Tageszeitung lautete "so preisgünstig ist Wohnen im Münchner Umland!" Ja, juhuuu! Weil man sich Wohnen in München selber gar nicht mehr leisten kann! Nein, also ich find: Wohnen muss bezahlbar bleiben, auch für ärmere Leute! Ich bin für humane Mieten! Die Leut wollen sich auch noch was anderes leisten können als nur ein Dach überm Kopf, nä.

Ich stand vor meinem Zug, der schon auf dem Gleis abgestellt war. Die Passagiertüre war schon offen, eine breite Ladetür gabs auch, die war aber noch abgesperrt. Ein Radler schob schon sein Rad durch die Passagiertür, was reichlich eng war. Na und ICH gleich hinterher, nä. Net, dass ich zu kurz komm ;-)

Gleich nach nem Meter blieb ich natürlich im Gang stecken und musste die Seitenkörbe abhängen, damit ich das Rad weiter kriegte. Da kam schon so ein Bahnbediensteter daher und bölferte mich an, dass ich Platz machen soll und warten hätt müssen, bis vorn die Ladetür aufgesperrt wird. Ja, was weiß ich? Hätt ich gewartet, hätt er mich angeschissen, warum ich noch nicht eingeladen hätt, hä? Na, Würschtla, du Depp, dir zeig ichs! "Entschuldigen Sie, aber können Sie auch Deutsch reden?" fragte ich, weil der so einen Südtiroler Dialekt drauf hatte, dass man ihn echt nicht verstand ... und vor allem einen Ton drauf hatte, den ich ja grundsätzlich nicht versteh, nä. "I RED Deutsch!" motzte er zurück. "Ja, sorry, ich habs nicht verstanden, ich bin halt blond." sagte ich. "Soll ich's vielleicht noch aufschreiben?" regte er sich auf. "Das könnten Sie mal versuchen, ja, weil ich bin bloß DUNKELblond und lesen kann ich noch" sagte ich mit dem dämlichsten Grinsen, das ich bieten konnte. "Was hat er gesagt?" fragte mich nun ganz hilflos ein angesichts unseres Dialogs völlig verwirrter, saupreußischer Radfahrer hinter mir. "Ach, nix" sagte ich. Der Südtiroler Bahnbedienstete gabs dann auf und scherte sich davon. Ziel erreicht, successfully resolved. :-)

Schließlich waren alle im Zug, in dem die Klimaanlage mal wieder ausgefallen war und wir fuhren los. Also, das Gebirge ist schon wirklich beeindruckend. Hier fuhr der Zug durch Kufstein. Guckt mal den roten Kreis oben, wisst ihr, was das für ne weiße Scheiße da oben ist? Ja: das ist SCHNEE! Kann man sich echt gar nicht vorstellen....!

Wir fuhren dann über den Brenner und über unserem Zug irgendwo rechts verlief die Brennerautobahn. Da stampften die LKW das Gefälle hoch... ich find das gigantisch. Ne ältere Tussi, mit der ich während der Reise ins Gespräch gekommen war, meinte, ihr sei auf so ner Zugfahrt immer irre langweilig und ständig ein Buch lesen konnte sie auch nicht, ts ts *mecker mecker*. Versteh ich nicht. Ich find da so viel Beeindruckendes, ich werd gar nicht fertig und träum bestimmt in einem halben Jahr noch davon!

Das Wetter im Gebirge war einfach Scheiße - trüb, kalt, düster. Die Klimaanlage lief mittlerweile und ich hatte allen Ernstes kalte Füße! Auch jenseits der Ösi-Grenze wurde es nicht besser. Da lagen die norditalienischen Weinanbaugebiete in kalten, dunstigen Wolken und weit und breit war kein Sonnenstrahl. Das killt mir ja die Laune!

In Verona war Endhaltestelle. Es war wenigtens nicht mehr regnerisch und halbwegs warm. Um aus dem Zug zu steigen, mussten die Radler einfach von der Laderampe hupfen - mitsamt den Rädern. Von den 36 Rädern, die eingeladen waren, waren nur noch 3 übrig - meins und die beiden eines älteren Ehepaares (naja, so Leute in meinem Alter halt). Der Mann und ich luden die Räder und das Gepäck aus.

Dann radelte ich los. Ursprünglich wollte ich ja in Verona ein Hotelzimmer nehmen, aber ich fand die Stadt auf Anhieb hässlich. Nein, da wollte ich nicht bleiben, außerdem wollte ich ein bisschen radeln, es war doch erst 19 Uhr. Ich radelte los und machte noch 24 km an dem Abend.

Eine Bar, in der ich nach einem Zimmer fragte, hatte um die Zeit natürlich nix mehr frei, da kam ich auf meinem Weg immer weiter aufs Land raus. An jeder Ecke, wo ich mal gucken wollte, kam gleich ein Cane (Hund) daher und kläffte sich einen ab. Wenn 1 Hund bellte, stimmte grundsätzlich der Nachbarshund ins Gebell mit ein. So zog sich die Kläffwelle dann oft über das ganze Dorf.

Hinter einem Dorf fand ich eine Böschung vor einer Apfelplantage. Es war schon dunkel geworden, also man sah nicht mehr viel und ich beeilte mich, im letzten Dämmerlicht das Zelt noch aufzubaun. Dann knallte ich mich dort rein und pennte glücklich weg.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

klingt doch schon mal recht vielversprechend. Wie viel Zeit benötigst Du, um Dein Zelt aufzubauen?

RAFA hat gesagt…

kommt drauf an: wenn es regnet, hab ich es auch schon mal in 5 Minuten geschafft. ;-)